Die Straße runter, hinter den verfallenen Häuserfassaden und den alten Gemäuer gibt es ein kleines Cafe. Der deutsch-türkische Kulturverein ist ein Treffpunkt von alten Männern, einst als Gastarbeiter in das Land gekommen, sitzen sie nun zusammen und sinnen ihren Lebensabend bei Tee und Gebäck.

Die Männer reden, gestikulieren, streiten oder lachen beisammen und genießen die Gesellschaft ihrer Landsleute.

Dort in der hinteren Reihe des Cafes sitzt ein alter Mann mit ergrauten Haaren und dichtem Schnäuzer. Er ist als der ´´Waise´´bekannt, weil er einfach nur dort sitzt kaum ein Wort sagt und stetig seinen Tee rührt. Nicht einmal passiert es, dass die anderen Greise ihn mit verdächtigen und abfälligen Blicken würdigen, weil dieser lieber die Gesellschaft bei sich selbst suchte.

Oft sind auch die Kinder und Enkel in dem Cafe, die nun als ´´Deutsch-Türken´´in diesem Land leben und sich selbstverständlich, als Teil dieses Landes sehen.

Doch auch die jungen Menschen mieden den Alten, denn natürlich wie im jedem Cafe grassieren hier viele Gerüchte um die eine oder andere Person und oft halt auch über ihn.

Stetig sitzt der `´Waise´´da und rührt seinen Tee ohne ein Wort zu verlieren.

Mann sah dem Mann an, das er traurig wirke und in sich gekehrt, doch Niemand interessierte sich an ihm, er war einfach nur da.

Bis zu dem Moment, als der kleine Ömer mit seinem Vater das Cafe betritt. Ömers Vater war ein großer Gebrauchtwagenhändler in der Stadt und in der Gemeinde sehr angesehen. Ömer hingegen war ein sehr introvertierter Junge mit Verdacht des Asperger-Syndroms, da er sehr ruhig und abwesend wirkte, eigentlich ähnlich wie der alte Mann.

Der erst siebenjährige Ömer bekam von seinem Vater eine Fanta und der Junge schaute interessiert in die Runde der Männerschaft. Dann erblickte er den alten ´´Waisen´´und es passierte dass ihre Blicke sich kreuzen. Ohne Hemmungen zu haben ging der kleine Ömer an den Tisch des Alten und setzte sich zu ihm. Der Mann schaut den kleinen sonderbaren Jungen an und ein Lächeln entging seines Mundes. Ömer lächelt zurück, mustert durch seine große Brille den Alten und sprach ihn neugierig an. “ Hallo. Ich heiße Ömer. Du siehst aber traurig aus.´´

Der Mann entgegnet leise: ´´Hallo Ömer. Mein Name ist Suleyman.´´ Dem Mann entwich ein Lächeln und seine großen braunen Augen wirkten noch trauriger als zuvor.

Dann schloß er die Augen und seine Gedanken drifteten 30 Jahre in die Vergangenheit zurück.

In eine andere Zeit als Suleyman noch jung, stark und des Lebens froh war…

´´Name?´´

´´Suleyman Hadid´´

Der Mann von der Ausländerbehörde notiert den Namen und setzt seinen Stempel auf ein Dokument.

´´Hier Herr Hadid, ihre Arbeitserlaubnis für das Bundesgebiet.

Der Nächste !!´´

Suleyman nahm seine Arbeitserlaubnis entgegen und ging aus dem Amt in die frische Bremer Luft hinaus. Ein Lächeln entging seinem Mund, denn er war nun ein offiziell anerkannter Gastarbeiter mit Arbeitserlaubnis und dem Bleiberecht in der Bundesrepublik Deutschland.

Der junge Gutaussehende Mann tanzte förmlich die Straßen Bremens hinab und schritt frohlockend in seine Bleibe in Bremen-Walle zurück. Endlich war er am Ziel angekommen nach der langen Reise aus der Türkei in das gelobte Land. Endlich durfte er arbeiten und seiner Familie in der Heimat Geld schicken.

Suleyman arbeitet nun in einem großen Maler und Lackierbetrieb und lebte in beschaulichen Verhältnissen.

In dem Betrieb, wo er arbeitete, gab es eine große Kantine, in der die Gastarbeiter zu Mittag aßen.

Dort an der Ausgabestelle der Mahlzeiten arbeitete eine junge Deutsche. Ihr Name war Gabi. Gabi war eine hübsche junge Frau, mit Blond gelockten Haaren und meeresblauen Augen. Es passierte nicht einmal, dass ein junger Mann ihr einen Blick würdigte und sie ansprach. Doch zu dieser Zeit, war eine Beziehung zwischen deutschen Frauen und den ausländischen Gastarbeitern verpönt.

Gabis Eltern, die als Beamte im örtlichen Finanzamt arbeiteten, untersagten ihr den Kontakt zu Ausländern. Sie solle lieber nach einem Deutschen mit festem gesichertem Job Ausschau halten.

Dies sagte ihre einheimische Vernunft, doch wie so oft schlägt das Herz auch unvernünftige Töne.

Es war der Tag an dem Suleyman nach getaner Arbeit in seinen wohlverdienten Feierabend nach Hause mit der Straßenbahn fuhr. Dort saß auch Gabi, die ebenfalls nach Hause fuhr.

Zunähst erkannte Suleyman die junge Frau nicht und in der Haltestelle ´´Am Brill´´passierte es, dass während sie ausstieg, ihre Handtasche runterfiel und der gesamte Inhalt auf den Boden verstreut fiel. Sofort sprang Suleyman auf, ging zu ihr und half ihr die Sachen aufzuheben. Dann hob der junge Mann seinen Kopf und sein Blick kreuzte dass der jungen Frau. Seine tiefbraunen Augen sahen in ihre wunderschönen Blauen und ein Lächeln entglitt der Frau.

´´Oh, Vielen Dank´´ bedankte sich Gabi und Suleyman, der noch recht schlecht deutsch sprach nickte ihr zu: ´´Bitte´´.

Dann war es dieser entscheidende Moment der kurzen Stille und des Mutes der Entscheidung. Den Mut ein Gespräch fortzuführen oder sich hastig wieder zu verabschieden. Suleyman wusste um diesen einen Moment und schlagfertig nahm er all seine Deutschkenntnisse zusammen und bot ihr an mit ihm einen Kaffee zu trinken…

…Gabi schaut den recht hübschen jungen Mann überrascht an und musterte ihn.

Er war groß gewachsen, hatte wunderschöne schulterlange dunkle Haare und einen Blick in seinen dunklen Augen, der ihr warm erschien. Noch kurz dachte sie an all die Menschen, die ihr von eben diesen exotischen Männern abrieten, doch diese wusch sie einfach weg. Sie ließ sich darauf ein…

Suleyman war nicht nur attraktiv, sondern auch sprachlich gewandt in seinem Deutsch, dass er immer besser beherrschte und es sollten noch viele Treffen und eben den schönen Momenten mit Gabi folgen. Es sollte nicht lange dauern bis sie jede freie Minute zusammen verbrachten und durch halb Bremen spazieren gehen mit einem Lächeln und Hand in Hand.

Es passierte während eines Spazierganges im Bremer Bürgerpark, als sie sich vor dem Parkhotel in eine Bank setzten und sich anschauten. Suleyman nahm ihre Hand, gab diesem einen Handkuss, richtete seinen Blick an die von Gabi und schaute ihr tief in die Augen . Gabi erwiderte seinen Blick und jegliche Vorbehalte und Hemmungen schwanden in des Wassers vor ihnen bis zu dem Moment als sie sich das erste Mal küssten…

30 Jahre später sitzt der einst junge Suleyman allein in der hintersten Reihe in dem Cafe und hob seinen Kopf. Der kleine Ömer sah ihn interessiert an , ohne aber ein Wort von ihm zu erwarten.

Dann erwachten seine Lebensgeister wieder und er gab dem kleinen Ömer einen netten Klaps auf die Backe.

´´Machs gut Ömer. War schön dich kennen zu lernen. Ich muss jetzt zu meiner Frau.´´

Dann stand Suleyman auf, bezahlte seinen Tee den er nicht trank und winkte der Gesellschaft zum Abschied, die ihm nie Gesellschaft leisteten.

Dann fuhr er mit der Straßenbahn in die Stadt, kaufte einen Blumenkranz und begab sich in den Friedhof. Dort ging er zu einem kleinen Grab am Rande des Friedhofs.

Auf dem Grabstein war ein Bild in Farbe angebracht. Eine wunderschöne junge blonde Frau lächelte auf dem Porträt. Suleyman legte die Blumen nieder, sprach ein Gebet und küsste das Porträt seiner Frau, die zwei Jahre nach ihrem ersten Treffen nach kurzer schwerer Krankheit verstarb.

Noch immer trug Suleyman den Ehering mit ihren Initialen darauf. Diesen Ring sollte er nie wieder ablegen. Für immer…