Jeden Tag geht sie den selben Weg. Den Weg zur Arbeit, den Weg wieder nach Hause, den Weg zum Supermarkt.

Es passiert nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist halt der Alltag der ihr Leben bestimmt und auf mehr war sie einfach nicht gewillt.

Nicht dass sie es schlecht hätte im Leben. Sie war eine Frau im besten Alter und einem festen Job in der örtlichen Handelskammer. Tagein Tagaus saß sie am Schreibtisch, telefonierte und beantwortete E-Mails. Es war halt ein gewöhnlicher Job, mit einem gewöhnlichen Gehalt und einer gewöhnlichen Wohnung. Weder war sie oft krank noch unmotiviert. Sie funktionierte im Leben, aber mehr war da nicht. Auch sehnte sie sich nicht nach mehr. Es funktionierte einfach alles und darauf kam es an, wie es ihr schien.

An einem gewöhnlichem Tag, in einer gewöhnlichen Woche, auf dem gewöhnlichen Weg geschah doch etwas ungewöhnliches.

Sie ging die Straße hinab und ein Mann in den Zwanzigern kam ihr entgegen. Dieser schien absolut ungewöhnlich, denn er trug einen langen Mantel, wuschelige Pechschwarze Haare auf dem Haupt und ein noch wuscheliger Bart im Gesicht. Mit Kopfhörern in den Ohren, einer selbst gedrehten Zigarette im Mund, tanzte er ihr förmlich entgegen. Seine Augen waren auf das Smartphone gerichtet als die Beiden plötzlich zusammenstießen. ´´Álso hören sie mal ! Augen gefälligst auf ! ´´raunte sie den Mann an. Dieser nahm seine Kopfhörer aus den Ohren und sah sie mit großen grünen Augen an. ´´Meine Augen öffne ich gerne für eine solch schöne Frau ´´kam es wortgewandt aus seinen Lippen. Die Frau war etwas verblüfft über diese Bemerkung, doch ihr Drang nach dem Gewöhnlichem sprang ihr wieder in den Kopf, da hatte ein solcher Flegel nichts zu suchen.

´´Nähstes mal passen sie besser auf, und schauen wo sie hingehen´´ermahnte sie den Mann. ´´Gerne schaue ich auf den Weg, wenn sie darauf sind ´´ entgegnete es wieder von diesem recht eigenwilligen Kerl. Sie war verblüfft über die wortgewandte und lässige Art dieses Mannes und musterte ihn ungewollt mit den Augen. Irgendwie war dieser doch recht charmant schoß es ihr in den Kopf und zum ersten Mal in ihrem Leben tat sie etwas ungewöhnliches. Sie sah mit ihren grauen Augen in seine grüne und sprach einen Satz, der ihr vor Fünf Minuten nie in den Sinn käme: ´´Álso sie können es wieder gutmachen, wenn sie mich vielleicht auf einen Kaffee einladen.´´ Ein großes Lächeln entglitt seinem Gesicht und große Freude leuchtete in seinen Augen. ´´ Wissen sie, ich glaube zu dem Kaffee würde ich noch einen Croissant draufsetzen´´ bot er ihr an und sie erwiderte seinen unendlich schönem Lächeln. Sie verabredeten sich in einem kleinen Cafe nach der Arbeit und trafen sich Abends dort. Er wartete schon an einem Tisch auf sie und der Kaffee und Gebäck waren schon serviert. ´´Übrigens mein Name ist Felix´´ und reichte ihr die Hand. ´´Mein Name ist Klara´´ und nahm die seine. Sofort fiel ihr auf, dass Felix nicht nur charmant, aber sehr gesellig und überhaupt nicht schüchtern war. Er redete wie ein Wasserfall und brachte sie ständig mit seinem großartigen Humor zum Lachen. Klara fühlte sich immer gelöster und wohler an Felix Seite. Noch Stunden saßen sie in dem Cafe und redeten und lachten, dass selbst die Kellner neugierig hinüberblickten. Klara wollte alles über Felix wissen und dieser erzählte voller Elan über seine Arbeit als Künstler und Autor. Zwar habe er nicht viel Geld, aber er liebe sein Leben und die Überraschungen wie der Zusammenstoß mit Klara. Irgendwann später, jegliches Zeitgefühl ging vorbei, baten die Kellner die Beiden Turteltäubchen hinaus, da sie schließen möchten. Felix bot ihr an sie nach Hause zu begleiten und so lachten sie förmlich den Heimweg entlang. Als sie vor Klaras Wohnungstür standen ging jede graue Gewohnheit in ihrem grauen Leben davon und es passierte bevor sie denken konnte. Sie umschloß Felix Hände und küsste ihn leidenschaftlich. Sie küsste ihn voll Verlangen, dass selbst der so unkonventionelle Felix überrascht war. Sie zog ihn am Arm und schleppte ihn förmlich in ihre Wohnung.

Klaras Leben nahm eine entscheidende Wendung in ihrem sonst gefestigten Leben.

Sie spürte dass das Leben mehr bietet als nur zu funktionieren und blühte jetzt förmlich auf voller Lebensfreude und Glück.

Manchmal bedarf es nur einer zufälligen Begegnung, ein zufälliger Zusammenstoß und eine Prise Charme um das Leben einer Frau für immer zu verändern.