Der alte Mann sitzt da am Wasser des Hamburger Hafens und schaut auf die Schiffe und die Möwen darüber fliegen.

Wie sehr wünsche er sich doch, wie sie über sein geliebtes Hamburg zu fliegen und dessen Schönheit von oben zu betrachten.

Er war durch und durch ein echter Hamburger, Hanseat und schließlich Deutscher.

Sein Körper war übersät mit Narben und alten Wunden des letzten großen Krieges.

Blut wurde für das Vaterland vergossen und viele junge Männer fielen im Kampf.

Jetzt Jahrzehnte nach diesem ersten großen Krieges folgt ein zweiter noch größerer Krieg.

Das war die Chance Deutschland wieder stark zu machen und ein tausendjähriges deutsches Imperium zu erkämpfen.

Deutschland über alles und doch Deutschland nicht über allen. Nicht jeder Deutscher gehörte zu Deutschland…

…Es ist früh des Morgens und die Sonnenstrahlen stechen durch das Grau der sterbenden Nacht.

Der alte Mann wurde wach und nahm im Treppenhaus des Hauses Schreie und Beschimpfungen wahr. Sie sind gekommen, dachte sich der Mann und Genugtuung ließ ihn grinsen. Seine Nachbarn versteckten Juden in ihren Wohnungen und das wusste der alte Mann. Er kontaktierte die Gestapo und diese machten die Drecksarbeit. Irgendwer muss dieses ja tun, um die deutsche Reinheit zu gewährleisten, da haben diese Gutmenschen und Juden nichts zu suchen.

Wie sehr hasste er diese Gutmenschen, die zwar Deutsche waren, aber ihr eigenes Vaterland verrieten.

Die Gestapo nahm eine ganze Familie mit, samt den versteckten Juden. Sie sollten nie mehr gesehen werden…

Sommer 1945.

Der alte Mann steht am Fenster, raucht seine Pfeife und betrachtet die zerbombten Ruinen und den Schutt auf der Straße. Deutschland hat diesen Befreiungskrieg verloren und nun waren sie hier. Die Briten, Franzosen, Amerikaner gar Russen. Alles für das Vaterland habe ich getan. Ich leistete meinen Beitrag für das neue reine Europa dachte sich der Greis.

Ein Jahr später.

Der alte Mann sitzt wieder an seinem Lieblingsplatz am Hamburger Hafen.

Neben Ruinen des Weltkrieges und auf dem Wasser reihten sich nun Britische und Amerikanische Schiffe, jedoch kaum deutsche wie ihm auffiel.

Er sitzt stetig da und schaut in den Himmel. Deutschland wird wieder auferstehen, wie immer nach einem Krieg dachte er sich.

1949 Gründung der Bundesrepublik Deutschland.

Deutschland ist nun ein souveränes und neuer demokratischer Staat.

Der Hunger und das Leid des Krieges verblassen zusehends und im Hamburger Hafen laufen jetzt mehr Schiffe mit Güter ein.

Hamburg wird wieder aufgebaut und das gefiel dem altem Hamburger Patrioten, der neue deutsche Staat jedoch nicht.

Dieses führerloses Deutschland ist seine Schande und ein an die Alliierten geketteter Staat.

Doch er ist jetzt alt und die Lebenszeit währt nur noch kurz. Wenigstens wird er in seinem geliebtem Hamburg sterben und zur Grabe getragen.

Die Kirchenglocken läuten und Menschen in schwarz gekleidet versammeln sich um ein Grab.

Sie nehmen Abschied und gedenken ihm.

Der alte Mann durfte im Alter sterben und anständig zu Grabe getragen werden.

Ein Privileg, dass nicht jedem Menschen in der Kriegszeit vergönnt war.

Selbst im Sterben kratzte nicht ein Bisschen Scham oder Reue den alten Nazi.

Er tat was er für richtig hielt und dies kostete vielen unschuldigen Menschen das Leben, doch diese Menschen war ein würdiges Leben und Sterben nicht gegönnt.

Sie sind nun unsichtbar und für immer verschart in Lagern, fernab ihrer Heimat und des geliebten Hamburgs.