Prolog:
Menschen versammeln sich um ein schwarzes Loch in der Erde.
Schwarz regiert die Szenerie, nur das Weiß der Tränen befeuchten die kalte dunkle Erde an diesem Wintertag. Ein einst lebendiger Mensch wird zu Grabe getragen. Dieser Menschen lebte, liebte und litt. Nun soll er für immer in Verwesung unter der Erde begraben werden. Fortan still und leblos.
Kapitel 1
Maja war immer ein fröhliches Mädchen. Voll leben, Humor und Fröhlichkeit.
Alle liebten sie, alle schlossen sie in ihr Herz. Alle umgaben sich um sie. Wie später die jungen Männer, die ihrer reifer werdenden Schönheit unterlegen waren und nach dieser dürsteten.
In Polen gibt es viele schöne Frauen. In der Kleinstadt Otwock bei Warschau noch mehr.
Es war eine kleine Stadt. Jeder kennt jeden. Jeder schlief mit jedem. Wie auch Maja nach Beginn ihrer Pubertät. Als Kind sie die Erwachsen entzücken. Als junge Frau das Begehren der Männer, denn Maja war von wunderschöner Natur mit blondes Haar und stahlgrauen Augen. Maja war den Angeboten nicht abgeneigt. Sie liebte das Leben. Sie liebte den Sex. Nie machte sie sich um irgendetwas einen Kopf. Nie dachte sie über Konsequenzen nach. Sie tat was sie wollte. Immer.
Ihre Familie war von religiöser Natur mit festem Glauben an Gott, den Papst, den Lokalpriester.
Sie lebte in zwei Welten. Die des Gottes und die der Freiheit.
Es kam vor, dass sie an manchen Tagen mit mehreren Männern schlief. Es kam auch vor, dass sie an mehreren Gottesdiensten am Tag mit ihrem Vater ging. Nie kreuzten sich die Wege, doch sollten sie irgendwann aneinander Krachen wie rasende Autos.
Otwock war klein. Warschau groß und in der Nähe. So verbrachte sie gerne die Zeit in der Hauptstadt, wenn die Zeit und das Geld es erlaubten, denn Maja ist arm, arm wie die ganze Familie.
Was Maja nicht an Geld besaß, besaß sie an Schönheit umso mehr. Diese kann jedoch in einen Weg münden, der beides miteinander vereint. Die Prostitution.
Kapitel 2
Es geschah zufällig und wie aus dem Nichts. Der Moment an dem sich Majas Leben für immer ändern sollte. Sie traf sich wie häufig mit einem Liebhaber in dessen Wohnung. Es war bloß Sex. Nicht mehr und nicht weniger. Doch an diesem Treffen war es anders. Wo sie die Wohnung des jungen Mannes betrat, begrüßten sie eine Gruppe anderer Männer, die Maja nicht kannte.
Die Männer waren außerordentlich gut angezogen und trugen Kleidung, die nicht in das Budget eines Bewohners von Otwock passen würden. Majas ´´guter Freund ´´ erklärte ihr, diese Männer hätten ein Angebot für sie, der sie wohl sich nicht entziehen könne. Er wisse sie habe wenig Geld und große Träume und verriet ihr, diese Männer helfen ihr ein besseres Leben zu führen.
Zuerst dachte Maja an einen guten Kellnerjob in Warschau oder im Ausland. Doch es kam ganz anders. Es ging nicht um Abwasch waschen oder Putzen. Nein. Maja war schön. Diese Schönheit hätte für viele Männer einen guten Preis anzubieten. Jeder hat seine Schwächen, manche zahlen einen guten Preis dafür, diese zu offenbaren. Maja war zuerst schockiert, doch sie dachte nach. Sie schliefe ja schon wie immer mit dem einen oder anderen. Warum nicht dafür entlohnt werden ? Warum nicht einer schönen Nebensache nachgehen, um aus einer Nebensache ihre größeren Träume zu verwirklichen ? Sie wollte doch schon immer nach Paris, nach Mallorca, nach Mexiko und schöne Kleidung kaufen ? Sie willigte ein. Sie hörte dem Angebot der dubiosen Männer zu und glaubte bei ihnen in guten Händen zu sein. Die Männer sahen sehr gepflegt, schick und gutaussehend aus. Sie dachte sie würde selbst ohne Bezahlung mit ihnen schlafen.
Warschau.
An einer Nebenstraße der Aleje Jerozolimskie, der Hauptschlagader Warschaus, befand sich in einem Altbau eine 1-Zimmer Wohnung. Dort lebte jetzt Maja. Sie lebte und arbeitete dort. Sie zog sich aus und an. Machte die Beine breit und wieder zu. Machte das schnelle Geld und das noch schnellere Ausgeben des Lohnes in den Goldenen Terrassen, einem luxuriösen Schoppingcenter gleich nebenan.
Die Freier kamen und gingen. Manche sahen gut aus, andere nicht. Manche hatten spezielle Wünsche, andere wollten nur reden.
Es blieb bei allen das Selbe. Sie verkaufte Zeit und nebenbei ihren Körper. Lange ging es gut, doch wer hat schon Lust rund um die Uhr Geschlechtsverkehr zu haben? Und das mit jedem Menschen ?
Ein Teil des Geldes ging an die Zuhälter, der Rest in ihre Handtasche, die Krümel an ihre Familie in Otwock, die glaubten sie arbeite in der Kosmetik-Branche in der Hauptstadt. Alle waren Stolz auf sie, alle glaubten sie habe es raus aus Otwock geschafft, dieses kleine Kabuff der biederen und langweiligen Bogetterie des Langweiligen, gesäumt mit Kapellen und Kirchen an jeder Ecke. Die Menschen müssen ja mit ihrer Zeit irgendwohin. Doch keiner ahnte, dass sie in diesen Ort schnell zurückkehren sollte. Tot.
Kapitel 3
Der Fernseher läuft. Die Lokalnachrichten laufen im polnischen Staatsfernsehen. Eine schreckliche Meldung flimmert über den Bildschirm. Eine junge Frau wurde vergewaltigt, erdrosselt und zerstückelt in einer Wohnung an den Aleje Jerozolimskie gefunden. Die Ermittlungen laufen. Ersten Polizeiberichten zufolge war die junge Frau eine Prostituierte. Ein Freier habe sie kaltblütig ermordet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt…
Epilog
Ein Priester steht am Grabe am Friedhof von Otwock. Seine Worte hallen in der kalte Luft. ´´ Maja war ein Kind Gottes. Wie alle Menschen mit der Erbsünde geboren und den Sünden verfallen. Doch Gott zeigt Erbarmen für seine Kinder. Hatte doch Jesus die Füße einer Prostituierten gewaschen…´´
Schreie unterbrechen die Rede des Geistlichen. Schreie einer Mutter, die ihre Tochter verlor. Schreie um das Ableben ihres Leibes Frucht. Doch auch Schreie gegen Gott, gegen den Priester.
Ja, ihre Tochter hat sich prostituiert und wurde grausam ermordet. Aber möge der Priester nicht von Sünde ihrer Tochter sprechen. Möge er es sich nicht anmaßen über diesen jungen Menschen zu urteilen. Warum prieß er nicht ihre Fröhlichkeit, Humor und Lebenslust ? Doch nein. Am Ende wurde Maja nur auf die Sexualität verurteilt und erniedrigt. Als wenn nur Sex ihr Leben seien. Nein. Für Maja eine schöne Nebensache und das Verkaufen dieser zu einer kleinen Nebenverdienstmöglichkeit. Sie war mehr als nur eine gewöhnliche Prostituierte. Sie war ein Mensch mit Träumen und Liebe. Doch am Ende urteilen die Menschen mehr über ihren Gewerbe als um den Menschen, der sie umbrachte. Sie war ja selber Schuld sich dieser Gefahr auszusetzen.
Sie müsse doch wissen worauf sie sich einlässt. Doch ist dies ein Grund die Hemmschwelle so mancher runterzusetzen, sie einfach zu ermorden ? Nur weil sie eine Prostituierte war, ist sie nicht weniger als eine Kosmetikerin. Eine Kosmetikerin wird nicht so schnell vergewaltigt und ermordet. Sie mache ja etwas seriöses.
