Ayla ist ein aufgewecktes und bildhübsches Mädchen.
Die sieben Jährige wohnt mit ihren Eltern und drei Brüdern in Homs, Syrien.
Es sind sind schwierige Zeiten in Syrien. Ein Bürgerkrieg tobt und die Kämpfe nehmen kein Ende.
Besonders Homs im Süden dieses wunderschönen Landes ist ein Kampfgebiet zwischen Rebellen, der Armee und diverse Drittstaaten, die aus eigenem Interesse in dieses Land eindringen.
Einst wohnten die Kinder Syriens in Frieden und bescheidenem Wohlstand. Einst lebten und liebten die Menschen in dieser Oase des nahen Ostens. Der Kuss Europas mit Asien. Ein wunderschönes Reich des Orients.
Leider wurde Ayla nicht zu dieser Zeit geboren. Sie wurde geboren und lebt in einem Kriegsland. Zerstörung und Tod gehören zum Alltag. Die Kinder spielen kein Krieg im Hinterhof, sie leben in einem realen Krieg direkt vor der Haustür.
Ayla kennt den Frieden nicht, aber sie kennt die Schrecken die schon bald über die Familie herfallen.
Es war ein früher Morgen in Homs.
Die Leute erwachten und widmeten sich dem Alltäglichem in einem Krieg, wie Nahrung suchen oder Schutz.
Doch plötzlich waren in der Nachbarschaft Motorengeräusche zu hören und eine Kolonne aus Militärfahrzeugen näherten sich Aylas Haus.
Die Menschen schlossen schnell ihre Fenster und hofften die Schergen Assads würden bald weiterziehen. Doch dies geschah nicht. Die Fahrzeuge hielten an, bewaffnete Soldaten stiegen aus und hämmerten gegen die Haustür.
´´Wir sind Soldaten der regulären Armee Syriens. Wir haben Befehl alle wehrfähigen Knaben einzuziehen. ´´ rief einer der Soldaten durch die Tür. Dem entgegnet das verzweifelte Ersuchen des Vaters seine Söhne nicht mitzunehmen. Ein lauter Knall folgte und das Einbrechen der Tür. Die Soldaten hoben ihre Sturmgewehre, auf die Familie gerichtet und schrien sie an.
Daraufhin nahmen sie die Söhne mit, bis auf einen von ihnen. Dieser war gerade erst 13 Jahre alt und schien der Regierung noch nicht wehrfähig zu sein. So schnell wie die Soldaten kamen, gingen sie wieder und hinterließen Schmerz, Verlust und Angst.
Drei Nächte und drei Tage weinte die Mutter ihrer beiden Söhne wegen. In dieser Zeit schwieg der Familienvater und war in sich gekehrt. Ayla hat all dies gesehen und auch sie schwieg. Nicht ein Mucks gab sie nun von sich bis zu dem Moment als der Krieg wieder über sie einfiel.
Schreie waren zu hören gefolgt von Gewehrschüssen und Allah Akba Rufen. Der IS fiel über Homs ein, auf einem radikal-islamistischen Streifzug durch das einst religiös moderate Homs.
Verglichen zu der Armee waren diese Männer noch furchteinflößender in ihren schwarzen Gewändern und Fahnen. Diesmal ohne an die Tür zu klopfen stürmten sie einfach hindurch und raubten alles an Wert. Der Vater stellte sich vor seiner Familie und versuchte sie zu beschützen. Irgendwann war auch der Besuch der Gottes Krieger zu Ende und zogen weiter um ihre Verheißung des Göttlichen Paradieses zu verkünden.
Der Krieg ist eine perfekte Ausrede des Verlustes. Es ist nun mal Krieg und man kann ihm alles zuschieben. Doch das ist falsch. Es werden Jahre vergehen und auch dieser Krieg wird irgendwann enden. Wie Syrien dann aussieht ist unbekannt. Es liegt in den Händen der Kinder, der zukünftigen Generation dieses Landes. Doch wie sollen sie für Frieden sorgen, wenn sie ihn von Geburt an nicht kannten ? Wenn schon die Welt nicht in diesen Krieg eingriff, so wenigstens im Frieden. Es bedarf internationaler Hilfe um aus Hass, Frieden zu säen.
Es liegt an Kindern wie Ayla.
Eine wunderschöne junge Frau steht auf einer großen Bühne eines Plenarsaals.
Alte Menschen in Anzügen hörten gespannt die Worte dieser Frau.
Es war Ayla. Sie hat überlebt und lebt. Sie ist eine Botschafterin des Friedens geworden, eine Zeugin der Schrecken. Es ist eine neue Generation von Syrern, die zusammen mit den vereinten Nationen ein neues Syrien beleben und wiederaufbauen. Ayla erzählt vom Verlust ihrer Brüder, der Angst und die Hoffnung. Die Hoffnung aus Syien eine neue Oase der Menschenrechte und Würde zu schaffen. Der einzige Vorteil eines Krieges ist der Wiederaufbau nicht nur von Städten wie Homs, sondern der Aufbau einer ganz neuen Gesellschaft. Säkular und Freiheitlich.
Es ist möglich, doch es bedarf eines wichtigen Elementes: Die Bildung.
Denn nur wird der Wiederaufbau funktionieren, wenn die neue Generation intellektuell fähig ist, diesen Staat in Frieden, Demokratie und Rechtsstaat zu führen. Aus einem von einem Despoten regierten Land, muss die Bevölkerung die Führung und politische Kraft als Ganzes auf das Volk übertragen. Diesen Traum lebt Ayla. Der Traum eines Staates in Frieden und Wohlstand, wo jeder Mensch frei leben kann.
Es bedarf die Träume der Jugend dazu. Ihre Träume sind das Sinnbild des Verständnisses der Zukunft. Möge Syrien aus der Asche des Hasses auferstehen und neu geboren werden. Syrien, ein Ort des Kusses Europas mit Asien.
