Ein Rentnerehepaar in irgendeiner deutschen Stadt, in irgendeinem Einfamilienhaus mit gepflegtem Rasen und Garten.
Sitzen Gertrud und Walter um Punkt 15 Uhr wie immer in der Küche am Tisch mit Kaffee und Gebäck. Die Bild-Zeitung in der Hand ist es ein Gespräch wie es sie millionenfach in deutschen Stuben gibt.
Walter schaut in das Boulevardblatt und seine Ehefrau unterbricht das Schweigen: ´´Hör mal Walter, die haben den Aldi bei uns umgebaut. Sieht ganz schick jetzt aus, aber ich fand es vorher besser. Die haben alles umgestellt und finde diese eine Marmelade nicht mehr, die du so gern magst.´´
Ihr Ehemann Walter nickt ab und schaut weiter auf seine Zeitung.
Gertrud führt fort: ´´Hast du schon gesehen? Die Milch ist wieder teurer geworden und die Butterpreise sind wieder um neunzehn Cent gestiegen.´´
Wieder nickt Walter ab. Es folgt eine kurze Stille bis Geräusche eines Rasenmähers durch das Fenster erklang. Dies brachte Walter zur Weißglut. Genervt schmeißt er die Zeitung auf den Tisch und meckert: ´´Wir haben jetzt Mittagsruhe. Was schmeißt er denn jetzt den Rasenmäher an !!´´
Und wieder Stille..
Gertrud spricht wieder: ´´Als ich heute Morgen zu Netto bin um Brötchen zu holen, da war die Schlange an der Kasse bis zur Tür lang. Da waren jede Menge von diesen Flüchtlingen da. Ach herrje, die haben den ganzen Laden vollgestopft. ´´
Walter blickt auf und erwidert: ´´ Ja, die Leute von der Verwaltung haben sie alle in diesen Containern eine Straße weiter gestopft. Also wenn das so weitergeht !? Wo soll das denn hinführen?´´
´´ Da werden die Schlangen an der Kasse wieder so lang. ´´
Derweilen auf der anderen südlichen Seite des Mittelmeeres:
Krieg.
Hunger.
Tod.
Flucht.
Menschensklaverei.
Diktatur.
Aber bestimmt kein Aldi mit zu langen Schlangen an der Kasse.
Und bestimmt erst recht kein Nachbar, der es wagt den Rasenmäher in der Mittagsruhe anzuschmeißen.
