Die folgende Erzählung ist frei erfunden und lediglich mit einigen realen Eckpunkten verziert.
Hierbei handelt es sich nicht um die echte Geschichte des ermordeten Walter Lübcke, lediglich eine aus dem Zusammenhang gerissenen Erzählung.
´´Die Demokratie ist eines der höchsten Güter unserer Zivilisation. Die Würde ist, bleibt und wird in unserem Rechtsstaat unantastbar bleiben. Begegnen wir den Menschen auf der Straße, in unserer Nachbarschaft und in unserem Land nicht mit Missgunst. Denn sie haben dieselbe Anteilnahme in dieser Gesellschaft, wie jeder von uns.´´
Applaus keimte auf und die Menschen in dem örtlichen Tagungshaus in der deutschen Provinz würdigen diese so würdige Rede des Lokalpolitikers Walter L.
Walter L ist ein engagierter Bürger in einer Kleinstadt und sitzt im Rathaus für eine demokratische Volkspartei. Schon als Jugendlicher interessierte ihn die Politik und die Möglichkeiten die Gesellschaft zu gestalten, wie es nur in einer wahren Demokratie möglich ist.
Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre im kaufmännischen Bereich ehe er später hauptberuflich in die Politik wechselte.
Politiker sind wie eine Goldmedaille der Gesellschaft. Eine Ehrung für die Bürde der öffentlichen Aufgabe und zugleich abhängig der Eitelkeit im Aufbau einer politischen Karriere.
Natürlich streben Politiker wie das gemeine Volk in einer Leistungsgesellschaft nach immer höheren Ämter und der Möglichkeit der Einflussnahme, doch eben die historisch bedeutensten Vertreter der Politik verstanden es den politischen Aufstieg mit klaren Idealen und einer Zukunftsvision zu verbinden.
Walter L war stolz auf seinen Beruf, seiner Stellung in der Gesellschaft und schließlich auf das Vertrauen seiner Wähler. Doch in diesen gesellschaftlich unruhigen Zeiten keimte ein kleiner Samen der Missgunst, des Hasses und der Unzufriedenheit mit dem eigenen Dasein.
Schon lange keimte dieser Samen zu einem Dornenstrauch der sich mit seinen gefährlichen Dornen jeglicher Zuwendung der Mitbürger verweigert und letztlich mehr Wunden aufreißt als die bunte Schönheit der Natur zu schließen vermag.
Wie konnte es zu diesem schweren Riss der Gesellschaft kommen ?
Eine tragende Rolle dabei spielt die Digitalisierung und der Möglichkeit seinen inneren Hass anonym der ganzen Welt zur Schau zu stellen und dabei sogar Gleichgesinnte erreichen.
Es gab sie schon immer: Die Rassisten, die Faschisten und die Terroristen.
Sie waren schon immer da und erst durch das Internet gelang es ihnen eine große lose Community zu bilden, die sich gegenseitig im Netz verherrlichen. Es bedarf weniger Mutes den Hass anonym von Zuhause aus zu säen, als in der realen Offline-Öffentlichkeit zu verbreiten.
Und genau in dieser virtuellen Keimzelle entwickelt sich Hass zu Gewalt. Je mehr Likes und das Teilen einer Hassbotschaft verbreitet wird, desto niedriger die Hemmschwelle zu dessen Umsetzung. Es sei ja von der Community legitimiert, akzeptiert und gewollt.
Drum gibt es immer einen ´´Märtyrer´´ oder ´´Helden des Volkes´´, der die Schmutzarbeit leistet und dafür wiederum im Netz anonym oder noch schlimmer öffentlich gefeiert werden.
Dies passiert im ganzen Land, in jeder Stadt und jedem Dorf. Auch in der deutschen Provinz in einer Kleinstadt. Walter L wurde Opfer dieser rechten Gewalt. Es sind Zeiten der neuen tödlichen Spiele im Colosseum. Diesmal findet er nicht in einer Arena statt, sondern in der Hosentasche.
Der Krieg um die Demokratie hat begonnen…
