Eigentlich ist er kein Nazi oder Faschist. Das denkt er jedenfalls über sich.

Er ist bloß ein wütender Bürger, dem das liberale politische Gehabe zu weit geht.

Zwar ist er in den vierzigern, deutsch, weiß und erfolgreich im Berufsleben, doch das gehe doch alles zu weit. All die Neger, Araber und Zigeuner in diesem Land. Dem Land der Freiheit, Demokratie und Kultur, doch all das gäbe es eigentlich nicht mehr. Das denkt er jedenfalls über sich.

Für ihn bedeuten die deutschen Werte Tugenden wie Disziplin, Ordnung und der Mercedes in der Garage.

Möge doch die Welt sich an des Deutschen ein Beispiel nehmen. An der ach so großartigen Wirtschaft, Vorsprung durch Technik und dem Verkauf von Rüstungsgüter in Kriegsgebiete.

Deutschland gehöre sich nicht mehr. Die Deutschen hätten kein Arsch mehr in der Hose und die ganze Welt lache über diese dummen Deutschen, die jeden Tunichtsgut, Kriminellen und muslimische Terroristen aufnehme. Das dürfe man doch wohl noch sagen.

Doch das Deutsche sei verschwunden, wie die Tugenden samt Ordnung.

All das meint er zu verteidigen mit einem Einfamilienhaus, Garten und der Mercedes in der Vorfahrt. Geburtstage solle man deutsch feiern, es solle mehr rustikale deutsche Gaststätten geben mit deutschem Essen und die deutsche Geschichte solle nicht nur auf die Nazis beschränkt werden.

Das war ja vor über 70 Jahren und irgendwann solle es doch reichen mit diesem Weichei-Gewinsel der Politik. Doch wie kam es zu diesen Verbrechen ?

Die Antwort ist erschreckend einfach: Das Nazitreiben beruhte auf Fundamenten der eigenen Überheblichkeit, der Anmaßung das Deutsche sei zivilisatorisch überlegen und nur echte Deutsche vertreten die echten deutschen Tugenden.

Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie entsteht aus Spuren der Vergangenheit.

Manchmal zeigt die Vergangenheit, wie die Gegenwart ist und diese Erkenntnis ist erschreckend.

Dieselben braunen Spuren vermehren sich in der Anonymität des Internets und der Ansicht die Nation wäre in Gefahr von Innen heraus. Sollte die Salonfähigkeit des Rassismus und Verklärung der Geschichte weitergehen steht Deutschland wieder vor heftigen gesellschaftlichen Konflikten, wie sie es jetzt schon gibt. Der demokratische Dialog wurde ersetzt durch ´´alternative Fakten´´und dem Hatespeech im Internet auf Communitys und Foren, in der die nationalistischen Gemüter sich hochschaukeln. Diese wachsende Geilheit an Zustimmung und Zuspruch in der eigenen Ideologie führt zu Monologen, aber nicht Dialogen oder einem fairen Austausch. Schon jetzt stehen sich politische Lager in krassen Streits, in der die demokratische Kompromissbereitschaft auf demokratischen Säulen und demokratischen Werten unter geht.

Entweder ist man für uns oder gegen uns. Links wie rechts schreibt sich die Rettung Deutschlands auf die Fahnen. Und genau in diesem Konflikt schwellt die Gewaltbereitschaft an und führt zu Morden wie zum Beispiel an den Politiker Walter Lübcke.

Aus der Ansicht ´´Man dürfe wohl das noch sagen´´spiegelt sich die demokratische Unfähigkeit vieler Deutscher wieder. Demokratie setzt ein gewissen Maß an Intellekt und Intelligenz voraus, zu der anscheinend nicht alle Bürger fähig seien.