Ein ganz normaler Urlaubstag an der türkischen Mittelmeerküste.
Dunja ist aus dem fernen Ankara mit ihrer besten Freundin angereist, um ihre Semesterferien am Blau des Meeres zu verbringen.
Die Türkei ist ein wunderschönes Land, mit wunderschönen Menschen und wunderschönen Schicksalen. Lange glaubten die Freundinnen dieses Schicksal zu teilen, doch es sollte anders kommen und ihr Leben für immer prägen.
Im Bikini liegen Dunja und ihre Freundin Tuba am Strand von Side und genießen die Sonne, das Rauschen des Meeres, die Blicke der Männer. Das Spüren der männlichen Begehrlichkeiten löste eine gewisse Selbstzufriedenheit und Genugtuung in den beiden jungen Frauen aus und gab ihnen Bestätigung in ihrer Eitelkeit.
Tagsüber verbrachten sie die Zeit am Strand und jeden Abend zogen die Studentinnen aus, gingen Essen und feierten in die Nacht hinein.
So auch an diesem Abend.
´´Tuba, beeil dich mal ! Ich muss mich auch noch fertig machen.´´
´´Schätzchen, je größer die Schönheit, desto mehr die Zeit, diese zu pflegen.´´entgegnete Tuba durch die Badezimmertür. Beide Mädchen kamen in einem günstigen zwei-Sterne Hotel unter und teilten sich ein Zimmer mit Doppelbett.
Tuba war eher vom dunkleren Typus der Hautfarbe und war eine recht exotische südliche Schönheit, während Dunja fast schon mitteleuropäisch wirkte mit ihren kastanienfarbenen schulterlangen Haaren und stechend grüne Augen.
Jedoch war es stets Tuba, die auf Partys den ersten Ton traf und beim Flirten keinerlei Scheue kannte. Dunja hingegen war eher von schüchterner Natur und ließ gerne Anderen das Zepter übernehmen. Doch alles in allem, waren beide Frauen ein gutes Gespann und ergänzten sich in jeglicher Hinsicht.
´´Schätzchen, dir müsste ich auch mal wieder die Augenbrauen richtig zupfen.´´ lachte Tuba über die noch ungeschminkte Dunja und nahm ihre große Pflegetasche zur Hand und machte sich daran ihrer besten Freundin optisch nochmal den letzten Schliff zu geben.
Nach gefühlten Stunden waren beide Mädel endlich bereit in die warme Abendluft hinauszugehen und ausgiebig zu feiern und Spaß zu haben. ´´Wo wollen wir zuerst hingehen?´´ fragte Dunja und Tuba antwortete rasch: ´´Wir gehen dahin, wo es die schöneren Menschen gibt. Und natürlich wo es günstiger ist.´´ lachte Tuba. Beide studierten gemeinsam Politikwissenschaften an der Universität in Ankara. Ursprünglich kam Tuba aus Istanbul nach Ankara, dem Erhalt eines Studienplatzes wegen, während Dunja aus dem Osten der Türkei nach Ankara ging, der näheren Entfernung ihres Heimatortes wegen. Schon in der Einführungswoche an der Uni lernten sich beide kennen und schnell merkten sie, dass ein großer Funke zwischen Beiden entfachte und sie fast schwesterlich aneinanderschmiedete. Tuba ging stets vorneweg mit ihrem starken Charakter und der Geselligkeit wie Schnelligkeit der Istanbuler Jugend, während Dunja aus ihrer ländlichen Heimat eher zurückhaltender erschien. Doch schnell gewann Dunja an Selbstvertrauen dank ihrer redseligen Freundin und Tuba in ihr eine Schwester die sie nie hatte, weil sie Einzelkind war.
Dunja hatte vier Brüder, die alle im Dorf geblieben sind und dort in einer kleinen Molkerei arbeiteten. Der Vater war Hirte einer kleinen Schafherde und Dunjas Mutter kümmerte sich um den Haushalt. Eine typische türkische Familie im Osten. Der Westen mit dem Supermagneten Istanbul war eher gegensätzlicher Natur. Die Istanbuler genießen das Leben in ihrer Weltmetropole und einen sehr westlichen Lebensstil. Tuba war praktisch eine Inkarnation dieses freien Geistes. Ihre Eltern waren Inhaber einer Druckerei, die einige der wichtigsten Zeitungen der Region druckten. An Geld mangelte es ihnen nicht. Anders bei Dunja, die nicht auf finanzielle Stützen ihrer Eltern zählen kann und neben dem Studium in gleich zwei Lokalen die Kellnerin gab.
Anfangs war es Dunja noch unangenehmen einzugestehen aus ärmlicheren Verhältnissen zu stammen und nicht in den besten Boutiquen Ankaras zu shoppen, doch es war Tubas Wertschätzung an ihr, sich dessen nicht zu schämen und gar Stolz darauf zu sein ihr Leben zu meistern und nicht wie viele andere Studenten aus den Taschen ihrer reichen Eltern zu leben.
Es gab nur einen Punkt an dem sich Dunja noch nicht ganz sicher war und Tuba ihr weit voraus war: Die Männer.
Tuba lebte recht freizügig und genoß die Gesellschaft nicht nur eines Liebeshabers, während Dunja eher schüchterner Natur war. So auch an diesem Abend in Side, als beide Mädchen in wunderschönen Kleidern durch die Clubs der Stadt zogen. Dabei missfielen ihnen beiden die Gesellschaft irgendwelcher Touristen aus Europa, sondern feierten lieber auf türkische Art mit ihren Landsleuten mit echter türkischer Musik und der echten türkischen Partykultur, die sich nicht auf irgendwelche billige Wodkaexzesse ausarteten, wie es oft bei deutschen Touris der Fall war.
Auf der Suche nach einem geeigneten Club gingen sie in eine recht große und eben billige Bar, um reichlich Raki und Efes zu trinken. Das Lokal war zum bersten voll mit Menschen, vor allem Touristen aus Deutschland, die man schnell in ihren hässlichen Party-Shirts mit unwitzigen Partyslogans erkannte. Beide Frauen tranken in dichtem Getümmel ein paar Shots und Cocktails, bis ihnen die warme Luft zu warm wurde und der Trubel zu groß wurde, welches sie in die frische Luft führte.
Doch dann wurde alles schwarz…
…Stille…
…Orientierungslosigkeit…
…das langsame schmerzhafte Erwachen aus dem nahen Tod…
Vergessen sie alle Zeilen bis zu diesem Moment dieser Geschichte.
Vergessen sie all die Hintergrundinformationen zu den beiden Hauptfiguren dieser Erzählung.
Vergessen sie einfach alles was bis zu diesem Zeitpunkt geschah…denn es war nun nicht mehr relevant.
Was jetzt folgt ist nicht nur das Ende dieser kurzen Geschichte, nein, es ist der Abbruch jegliches Leben wie davor war und nie wieder sein wird.
Ein Rascheln weckte Dunja aus ihrer Bewusstlosigkeit. Ein lautes Rascheln.
Ihre klein gewordene Augen blicken in des Blenden des Mondlichtes und sieht nur verschwommen.
Verschwommen mehrere dunkle Gestalten, die sich an einen hilflosen Körper am Boden zu schaffen machten. Das Rauschen des Meeres ist noch zu vernehmen, sie müssten sich also am Strand befinden, waren aber nicht allein.
Nach ein paar weiteren Sekunden wusste Dunja was passiert war. Es ist etwas Schreckliches passiert.
Sie sah wie sich mehrere Männer an Tuba vergingen, die regungslos am Boden lag. Dann wanden sich zwei der Männer an Dunja und traten an sie heran. Noch immer benommen versuchte sie zu schreien und sich zu wehren. Doch die Wirkung der Drogen hielt noch an und schnürte ihr buchstäblich die Kehle zu. Gelähmt, aber im Bewusstsein verging sich ein Mann nach dem anderen an ihr. Dunja gab schließlich auf, schloss die Augen und hoffte diese Hölle gehe bald vorbei…
Hier endet diese Geschichte abrupt.
Wie die Zukunft auch aussehen möge, diese Vergangenheit würde die Mädchen für immer traumatisieren.
