´´Es wird der Tag kommen, an dem Deutschland sich erheben wird. Es wird der Tag kommen, an dem Adolf Hitler die Macht übernimmt.´´
Die Gäste stießen an diese Wortsegnung der Braunen Gesinnung an und hoben ihre Stimmen: Sieg Heil !
´´Meine lieben Volksgenossen, wir schreiben das Jahr 1933, der Anfang einer Epoche des deutschen Volkes über allen anderen Nationen dieser Erde. Es lebe Deutschland, es lebe das tausendjährige Reich ! ´´
Wieder stießen die Gäste an den Worten des Gastgebers, einem gut betuchten Textilfabrikanten und Patrioten.
Lena sitzt mit an dem Tisch und hört den Worten ihres Vaters zu. Lena sitzt einfach da und sagt kein Wort. Wie groß doch ihre Abneigung der Rechten, wie groß die Abneigung ihrer eigenen Eltern.
Es waren eben dieses Hass, der Hetze und das Überlegenheitsgefühl einer Nation, der ihr zuwider war.
Lena ist jetzt zwanzig Jahre alt und reif genug zu wissen, wie die Erde sich dreht, wohl wissend dass diese Erde sich nicht nur um Deutschland dreht.
Doch woher ihre Abneigung den Nazis gegenüber ?
Es geschah an einem lauen Sommertag im Jahre 1931. Lena ist achtzehn Jahre alt und verliebt.
Unsterblich verliebt in einen Jungen. Dieser Junge jedoch war anders als die anderen Jungen.
Dieser war von exotischer und dunkler Natur mit seinen Nussbraunen Augen und dem dunklem Haar. Bis zu diesem Moment war Politik nicht im Interesse dieser jungen Frau und sollte doch auch ihre Liebe bald einholen. Sein Name war Abraham und genau dieser Name war es, der alles kompliziert machte. Abraham ist ein Sohn einer deutsch-jüdischen Mutter und eines palästinensischen Vaters. Abraham war gut gebildet, gutaussehend und viel zu gut für diese Welt.
Religion spielte keine große Rolle in seinem Leben, es waren mehr die Annehmlichkeiten wie guter Wein und schöne Frauen.
Lena besuchte eine private Eliteschule in Berlin, an die auch Abraham ging. Schnell merkten beide ihre Zuneigung zueinander und noch schneller schmilzte das Eis zwischen beiden.
Es geschah an einem lauen Sommertag, an dem Lena und Abraham sich liebten. Es war der Moment, an dem seine dunklen Augen ihre Blauen mustern und seine Hand durch ihr blondes Haar strichen. Der Moment ihrer Zuneigung, wie eine Einheit zweier jungen Menschen, die das Leben liebten und die Liebe lebten. Was sollte denn das ganze Gelaber über Nationen, Völkisches Denken und die Ethnien der Erde. Beide Menschen liebten das exotische des Partners, er ihren hellen Teint und sie seine dunkle Natur. Es bedarf nicht viel des Glückes auf Erden. Es bedarf nur etwas Unbekümmertheit, Mut und Sehnsucht.
Doch all das sollte bald nicht mehr gelten, in einem Land, dass sich selbst täuscht und die ganze Welt. Es sollte die Zeit kommen, an dem diese Nation sich selbst für immer brandmarkt und das Dach der liebenden Menschen zu Fall bringen sollte.
Eltern sucht man sich nicht aus, aber sie sind halt da. Sie sind da aus eben der Liebe zweier Menschen und dem Drang es besser zu machen und ihren Kindern eine Zukunft zu ermöglichen, die sie als besser empfinden. Doch wie diese Zukunft aussieht muss nicht immer den Kindern Wunsches entsprechen.
Was bleibt sind Schmerz, Trauer und das Versagen die Welt für die eigenen Kindern lebenswert zu gestalten.
Es ist das Jahr 1933. Es ist bekannt was damals geschah.
Nun schreiben wir das Jahr 2019. Und wie es jetzt weitergeht, wissen wir nicht, aber es ist noch möglich es unseren Kindern zu ermöglichen ihre freie Liebe zu leben und entfalten.
Wir können nur hoffen, dass unsere Eltern nicht wieder dem Völkischen zu Opfer fallen, sondern ihren Kindern vertrauen und sie ihr Leben entfalten können.
