Einsam und ruhig steht er stets an der Ladenkasse, wie am jeden Werktag von 8 bis 18 Uhr.

Ab und an kommen Kunden, stöbern in den zahlreich zu kaufenden Büchern, doch meist schlendern sie durch die vollgestopften Regale und schmökern ohne etwas zu kaufen.

Es gab aber auch Kunden, die massenweise Bücher kauften, aber auch welche die nach einem bestimmten Buch suchten, die selbst der Ladenverkäufer nicht kannte.

Das meiste Geld ließ sich mit Schulbüchern für die Kinder verdienen, oder dem Verkauf von Gutscheinen oft als Geburtstagsgeschenk.

Dieses Leben in dem langsamen Treiben einer kleinen Buchhandlung in der norddeutschen Provinz war zwar gelassen, aber wie gesagt langsam und ohne viel Aufregung. Seit nunmehr über zwanzig Jahren steht der Mann alleine an der Kasse. Ab und an gab es Studenten oder Minijobber, die als Aushilfskraft im Laden mithalfen, doch meistens war der alte Mann allein.

Zwar liebte er seinen Beruf, war Stolz auf seinen Laden und lebte genügsam mit dem Geld, dass sich verdienen ließ, doch es gab einen wichtigen Aspekt an diesem Leben, der ihn immer wieder zu Träumereien verleiten ließ, wenn gerade im Laden nichts los war: Die Frauen.

Nie war der Mann verheiratet, nie befand er sich in einer längeren Beziehung oder gar einer Romanze, wie es sie häufig in der Literatur zu lesen gab..

Es war ein Leben, wie es sie häufig in der norddeutschen Provinz gab.

Die Menschen gingen ihrer Arbeit nach, unterhielten sich ab und an mit Nachbarn und kümmerten sich die meiste Zeit um die Arbeit. Der Mann war zwar nicht von hässlicher Natur oder zu schüchtern, aber es passierte einfach nie einer Frau näher zu kommen. So steht er stetig da an der Kasse, sortiert neue Ware und hielt seinen Laden in Schuss.

Alles funktionierte und alles ging seinen Gang, wie es sich für diese Gesellschaft in dieser Region gehörte und wehe etwas solle passieren, dass diese Ruhe störe.

Und genau diese Ruhe solle von einer jungen Frau gestört werden, wie ein Bombenanschlag an Veränderungen in dieser Tristesse.

Chai war endlich in Deutschland angekommen. Dem Land von Dichter, Denker und den Mercedeslimousinen.

In ihrer Heimat Thailand halte man viel von diesem Land, in das sie grade mit dem Flugzeug ankam . Die Deutschen seien bodenständig, anständig und pünktlich. Gefühlt das Gegenteil der Thais, wie es Chai zumindest dachte. Chai bekam einen begehrten Au-Pair Platz bei einer deutschen Familie in der Provinz, wo sie ein Jahr bleiben dürfe, Geld verdienen und das deutsche Leben leben könne. Bei der Gastfamilie handelt es sich um ein Zahnärztepaar mit einer eigenen Praxis und zwei kleinen Töchtern, um die es sich zu kümmern galt. Schon beim Empfang im Hamburger Flughafen war das Ehepaar sehr nett und empathisch zu der 18 jährigen, die kaum Deutsch, aber fließend Englisch sprach. Und so unterhielten sie sich lange bei der recht langen Autofahrt in die neue Heimat der jungen Chai.

Doch schnell merkte die Thailänderin, das Leben in der deutschen Provinz war langsamer und langweiliger, als sie dachte. Die Familie wohnte in einer kleinen Ortschaft in Norddeutschland, in der es neben den Einfamilienhäuser samt Gärten und einigen Läden nichts gab.

Und so war Chai bald darauf angewiesen sich um die kleinen Töchter zu kümmern, während die Eltern in der Praxis arbeiteten. Wenn diese nach Hause kamen, durfte Chai sich der eigenen Freizeit widmen und die Gegend erkunden, auch wenn es nicht viel zu erkunden gab.

Über ihr Smartphone fand sie eine Bushaltestelle in ihrer Nähe der im zwei-Stunden Takt in die nächstgelegen Kleinstadt fuhr. An eben einem dieser Tage, in der sie frei hatte, fuhr sie mit dem Bus in diese Stadt in der Hoffnung etwas zu erleben. Doch schon beim Einstieg in den Bus war der Fahrer ein gereizter Charakter, der ihr ungern einen Zehn-Euro Schein für das Ticket annahm.

Die Fahrt dauerte etwa 35 Minuten und aus dem Fenster waren nur Felder, Wiesen und gelegentlich Traktoren zu sehen. Selbst der Bus war Menschenleer und trotzdem sagte eine automatische Stimme die nächste Station an, was Chai sehr merkwürdig fand. In der Tat, die Deutschen waren pingelig und gründlich in einer absurden Art.

Endlich am Bahnhof der nahen Stadt angekommen, keimte erneut Enttäuschung in Chai auf.

Obwohl es sich hier um eine richtige Stadt handele, waren die Straßen leer, ruhig und fast Tod.

Wo sind denn die 80 Millionen Menschen in diesem Land?

Scheinbar verstecken sie sich oder schlafen, wie die Thai empfand, die mehr Trubel in den Städten gewohnt war.

So schlenderte sie Richtung Rathaus und sah sich die wenigen Sehenswürdigkeiten an, wie ein paar historische Gebäude und eine große Kirche.

Beiläufig bog sie in eine Nebenstraße ab und noch beiläufiger entdeckte sie einen kleinen unscheinbaren Laden, in dem offenbar Bücher verkauft werden. Ein Gedanke keimte in ihr auf, sich etwas der deutschen Sprache zu nähern, in dem sie deutsche Bücher las, wenn es schon keine Deutsche zum reden gab.

Der alte Mann war gerade dabei ein paar Retouren zu sortieren, als er die Klingel von der Eingangstür schrillen hörte, die neue Kundschaft ankündigte..

Er trat an die Theke und nahm eine kleine schmächtige Frau mit dunklen Haaren wahr.

´´Guten Tag. Kann ich ihnen behilflich sein?´´

Die Frau hob ihren Kopf und kleine grüne Augen mustern ihn.

´´Oh Hello, Sorry, I dont speak German Well. I just wanted to look for some books.´´

Überrascht von der fremden Sprache, aber diese doch verstanden, antwortete er auf Englisch: ´´Ah ok, which kind of Books you are looking for ? ´´

Die junge Frau suchte nach den passenden Worten, bis sie all das wenig Deutsche in ihrem Hirn zusammen kratzte und antwortete: ´´Ich möchte Deutsch lernen.´´

Daraufhin führte er die Frau in die hintere Regalreihen und zeigte ihr mehrere Sprachbücher zum Selbstlernen. ´´Oh, thank you.´´war die begeisterte Antwort und fing an in den Büchern zu schmökern.

Der alte Mann kehrte an seine Theke zurück, behielt aber die junge Frau im Blick. Nicht dass er glaube, sie würde etwas stehlen, mehr das Interesse an dieser Frau, die offenbar aus Asien stammt.

Ab und an schielte er zu ihr hinüber und interessiert musterte er sie. Sie war recht klein, schmächtig und in allem eine sehr attraktive Frau, wie es ihm in den Kopf schoss.

Dieses wurde ihm mehr bewusst, als er ihren Rücken wahrnahmen und einen wohlgeformten Hintern durch ihre enge Hose musterte.

Noch schneller blickte er immer wieder weg, damit sie nichts merkte, aber es war ihre jugendliche Schönheit, der ihn fesselte. In seinem Kopf begann ein Gedankenkarussel, ob es denn richtig sei, eine deutlich jüngere Frau auf diese Art anzuschauen.

Natürlich schaute er gerne schönen Frauen hinterher, doch es war sein Alter, der ihn ermahnte diese Gefühle zu unterdrücken oder gar vertreiben.

Es vergingen wenige Minuten, als er schließlich entschied, der jungen Frau zu helfen, trat an sie heran und fragte ob er ihr helfen könne.

Die Thai drehte sich und antwortete: ´´Ich müssen Deutsch lernen, weil reden kann.´´

Der Verkäufer korrigierte ihre Wortwahl und belehrte ihren Satz richtig in: ´´Ich möchte deutsch lernen, damit ich mit Deutschen sprechen kann.´´

´´Oh, Danke.´´war ihre Antwort.

´´Ich empfehle dir den Duden.´´

Ahnungslos schaute sie zurück, bis dem Verkäufer endgültig die Neugier packte.

´´Where are you from? ´´ Stolz antwortete sie: ´´I m from Thailand.´´

´´Ah ok, maybe this Book could help you.´´

Er zeigte ihr eine Langenscheidt-Ausgabe des deutsch-thailändischen Wörterbuch, welches er zufällig da hatte.

´´Oh great´´ lächelte sie den Verkäufer an.

Sie nahm das Buch, überflog es kurz und fragte nach dem Preis.

´´11 Euro please´´war seine Antwort.

´´Ah ok, let me see my pocket.´´

Einige Sekunden suchte sie in ihrer Geldbörse nach genügend Kleinkind, bis sie rot wurde.

Natürlich wusste der erfahrene Verkäufer sofort, dass sie nicht genügend Geld bei sich habe, bis plötzlich sie doch anfing zu lächeln und das Geld beisammen hatte.

´´Ok thank you, I wish you a nice day.´´sagte sie zum Abschied und ging hinaus.

Der Verkäufer kassierte das Geld ein und verabschiedete sich ebenfalls.

Mit dem neuem Buch in der Hand ging Chai wieder Richtung Centrum der Stadt und überlegte gerade, wo sie denn einen guten Kaffee trinken könne, als gerade ein komisches Gefühl sie überfiel und stutzig machte, Sie überlegte einige Sekunden bis ihr auffiel, dass sie ihren Rucksack im Bücherladen vergas. So machte sie sich eilig auf den Weg zurück und gerade als sie in die Straße einbog, stand schon der Verkäufer vor der Tür samt ihrem Rucksack.

´´You forgot your bag´´ empfing der Verkäufer sie.

´´Oh, thank you very much´´sagte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Chai nahm ihre Tasche entgegen und bevor sie sich wieder abwandte kam ihr eine Idee in den Kopf.

´´Do you know where i can drink a good coffee ? ´´

Der Mann überlegte nicht lange und nannte ihr einen kleinen Cafe am Rathausplatz.

´´Ah thank you.´´

Doch dann passierte etwas ungewöhnliches, dass selbst dem erfahrenen Ladenverkäufer ungewöhnlich war.

´´I can show you the place you have to go. May i can go with you ? I have two Hours break now.´´

Chai aus Thai grinste noch breiter und willigte ein. Ihr schien es gar nicht abwegig zu sein, mit einem Fremden in ein Cafe zu gehen. Eher freute sie sich, sie habe etwas Gesellschaft mit einem Einheimischen. Sie willigte ein…

Ein älterer Mann mit ergrauten Haaren und Pullunder saß mit einer fast noch jugendlichen Mädchen aus Asien in einem Cafe. Selbst für diese Stadt, dass Touristen nicht gewohnt war, sehr ungewöhnlich. Zunähst schwiegen beide, bis eine Kellnerin mit blonden Zopf sie empfing und die Bestellung aufnahm. Chai bestellte einen großen Milchkaffee und der Mann einen großen Pott Filterkaffee. Bevor die Kellnerin sich wieder abwandte, bestellte der Mann noch zwei Stück Apfelkuchen.

Als die Kellnerin hinter der Theke verschwand, wandte Chai ihr Gesicht zum Mann voller Aufregung: ´´Was ist Affelkuuch?´´

In diesem Moment entprang dem Mann ein lautes Lachen, dass er selten am Tage hegte.

Chai wurde erst kurz rot, bis sie sein Lachen erwiderte.

´´Das nennt sichApfelkuchen. A typical german cake. Its filled with applels.´´

Chai staunte und musste wieder lachen als sie das Wort wiederholte: ´´Apfelkuchen´´

Dies war der Moment, an dem das Eis endgültig zwischen beiden brach und sie sich ausgiebig unterhielten.

Chai erzählte viel über ihre Heimat Thailand, das Leben dort, ihre Familie und schließlich die Unterschiede zu diesem nördlichen Nest hier.

Der Alte hörte gerne und geduldig zu. Ihm war nur diese Provinz nah und bekannt, denn es war schließlich der Ort, den er seit der Geburt kennt.

´´ Was dein Name?´´fragte Chai.

´´Herrmann´´ die kurze Antwort.

´´Herrmann. You are the first Herrmann i know. Whats about you? Do you have family?´´

Die letzte Frage entließ Herrmann ein falte im Gesicht. Er zögerte, bis er antwortete: ´´Nein. I have no family. My parents died years ago and i have not a sister or brother´´

´´Oh. Im so sorry for you. Do you have a wife ?´´

´´No. Im alone. Its just me and the shop.´´

In Chais Augen richtete sich Mitleid für diesen netten Mann.

Nie hielt sie es für möglich, dass ein Mensch ganz allein lebte. Ohne Familie und nur der Arbeit gewidmet.

Irgendwann verabschiedete sich Herrmann von Chai, da er zu seinem Laden zurück müsse. Zum Abschied gab er Chai die Hand, bezahlte und wünschte ihr noch eine schöne Zeit hier in Deutschland.

Klara und Lisa.

So hießen die beiden kleinen Mädchen, um die sie sich kümmerte.

Gerne strich Chai durch ihre glatten blonden Haare, die sie für wunderschön hielt.

Die Gastfamilie war äußerst freundlich zu ihr und schnell merkte Chai, diese Menschen sind nicht in Traurigkeit gesunken. Zwar arbeiteten Lira und Paul, die Gasteltern, viel und hatten nur am Wochenende frei, aber es war Chai schön zu sehen, wie sehr sie sich liebevoll um die Kinder, den Beruf und das Haus mit Garten kümmerten.

Es kam vor, dass Chai an Herrmann denken musste, den sie sehr mochte und Mitleid für ihn hatte.

Sie sah diese zwei verschiedenen Welten zwischen einer fröhlichen Familie und der Einsamkeit des Buchverkäufers. So beschloß sie sich für den bezahlten Kaffee zu revangieren und kaufte im Aldi in der Nähe etwas Schokolade und eine Packung thailändischen Tee, die sie aus der Heimat mitbrachte. Es kam wieder der Freitagnachmittag, an dem sie wieder Zeit für sich hatte und fuhr wieder mit dem Linienbus in die Stadt samt der Schokolade und dem Tee.

Sie bog gerade in die Friedrichsstraße an dem der Bücherladen sich befand und ging hinein.

Wieder klingelte es an der Tür und Herrmann erschien aus den hinteren Regalreihen.

´´Chai ! Schön dich zu sehen ! ´´

´´ Hermman, ich freue mich auch !´´

Sie gab Hermann die Hand und seine blauen Augen strahlten vor Freude.

Dann überreichte Chai ihm die Geschenktüte samt Schokolade und Tee. Überrascht nahm Hermann diese entgegen und umarmte die junge Frau vor Freude.

´´Es ist selten dass ich Geschenke bekomme, das ist ja fast wie Weihnachten´´freute sich der alte Mann und umarmte sie vor Freude nochmal.

Chai freute sich über dessen Freude und sie schlug vor, in der Pause vielleicht mit ihm spazieren zu können.

Dann tat Hermann etwas, was er seit zwanzig Jahren nicht tat. Er drehte das Willkommensschild an der Eingangstür, wo nun ´´Geschlossen´´ drauf prangte.

´´Komm, ich zeig dir etwas meine Stadt´´lud er Chai ein und sie gingen gemeinsam in die kühle Luft hinaus.

Hermann zeigte Chai die Lieblingsorte seiner Heimat und erzählte ihr viel von seinem Leben.

Chai erfuhr dass Hermann in dieser Stadt geboren wurde und zur Schule ging. In dessen Jugend träumte er davon Schriftsteller zu werden, doch seine Leistungen in der Schule reichten nur zu einem durchschnittlichen Realschulabschluss. Mit ein wenig Wehmut erfuhr Chai, dass dessen Eltern früh starben und er zur damaligen Zeit es finanziell nicht schaffte, auf die Autorenschule in Hamburg zu gehen. Danach nahm er eine Lehre als Buchverkäufer in diesem Laden auf und übernahm schließlich nach dem Tod des Vorbesitzers den Laden.

Stolz keimte in Hermann auf, als er erzählte dass sein Buchladen der älteste Laden in der Stadt sei und ein Magnet für alle Lesebegeisterte in der Region sei. Dann begann jedoch die Epoche des Internets und die Leute fingen an ihre Bücher auf Amazon zu bestellen und den Laden mehr als einen nostalgischen Ort betrachteten. Der Laden war halt schon immer da und gehörte irgendwie zu dieser kleinen Stadt hinzu.

Chai merkte schnell, dass der Laden das ganze Leben des Mannes sei. Der Verdacht kam ihr nahe, dass der Laden für ihn wie eine kleine sichere Welt bedeute und er sich nur schlecht davon trennen könne. Doch je mehr Chai sich mit dem einsamen Buchverkäufer unterhielte, desto mehr empfand sie Empathie für diesen Mann, der scheinbar es nicht gewohnt war, sich so intensiv mit anderen Menschen zu unterhalten.

Die Deutschen sind ein Volk des Smalltalks. Gerne schnacken sie im hohen Norden über das Wetter und eigentlich auch nur über das Wetter, vielleicht höchstens mal über die Arbeit, die es zu erledigen galt.

Unter dieser nordischen Tristesse, ist es Chai, die frischen Wind in der sonst frischen Provinz gab und wenigstens einem einsamen Buchhändler etwas Lebensfreude schenkte.

Bald entwickelte Chai ihre ganz eigene Tagesstruktur in dem sowieso strukturierten Leben des deutschen Nordens, die von der Betreuung ihrer Gastkinder reichte, bis hin zu ihren Ausflügen in die Stadt, wobei sie jedes Mal Herrmann in seinem Laden besuchte.

Herrmann freute sich über jedes Treffen mit der Chai ungemein und oft lud er sie in das ihnen bekannte Cafe am Rathausplatz ein und unterhielten sich ausgelassen in einer Mischung aus Deutsch und Englisch.

So verbrachte Chai geraume Zeit ihres Aufenthaltes in Deutschland und die Zeit schien schnell zu vergehen. Kaum versah sie sich, wurde es schon Frühling in des deutschen Landen und das Aufblühen der Natur wie den sonst stillen Norddeutschen hebte die Stimmung in diesem provinziellen Nest deutlich auf.

In Thailand war es zumeist warm und sonnig. Genau diese Wärme vermisste Chai in Europa und war heilfroh, als die ersten warmen Sonnenstrahlen durch die sonst grauen Wolken schossen und das Leben zu blühen begann.

Der Frühling und Sommer in Deutschland schien für Chai wie ein Hebel in den Köpfen der Deutschen. Auf einmal fingen die Deutschen an, sich mehr draußen aufzuhalten, die ersten Grillpartys werden geschmissen und das Event schlechthin in dieser Ortschaft stand bevor und zwar das Stadtfest.

Die Gastfamilie von Chai, die sonst häufig die Zeit in der Praxis verbrachten, wollten zum nahen Ende des Au Pair-Jahres, sie noch zu diesem Stadtfest begleiten und wie eine Abschiedsfeier feiern, denn die Heimreise nach Thailand stand kurz bevor.

Musik tönte durch große Lautsprecherboxen und eine Liveband spielte auf einer großen Bühne am Rathausplatz.

Die Menschen tannzten ausgelassen und der Alkohol in Form von gezapften Bier floss in Strömen.

Es war eine ausgelassene wie fröhliche Stimmung an diesem Sommertag und für Chai schienen die Menschen wie verwandelt. Auf einmal herrschte Leben in der Stadt, als wäre sie aus dem langen Winterschlaf erwacht.

Chai merkte, dass besonders das gezapfte Bier dazu beitrug, den Deutschen etwas Stimmung zu geben und sie ausnahmsweise mal nicht nur über das graue Wetter reden ließ.

In diesem bunten Treiben des Volksfestes, erkannte Chai immer mehr bekannte Gesichter, die sie in ihrem Jahr in Deutschland kennenlernte und auch zu Schätzen fand.

Mit dem nahenden Frühabend schien die Stimmung noch ausgelassener zu werden und die warme Sommerluft wurde milder und ließ so Manchen umso mehr das Tanzbein schwingen.

Chai, die auch reichlich Bier nach deutschem Reinheitsgebot trank, wurde ziemlich schnell angeschwipst und ließ sie lockerer werden, als sie es ohnehin schon war.

Dann passierte es. Passierte das in der tanzenden Menge, ihr Jemand auf die Schulter klopfte und sie sich umdrehte. Sie hob ihren Blick und blickte in tiefblaue Augen, samt einem sanftmütigen Gesicht und durch die Sonne erhellte blonde Haare: ´´Herrmann !!´´ schoß es ihr aus dem Mund.

Noch eine Weile blickten sich beide in die Augen, bis Herrmann ihr durch die laute Musik hindurch, auf ein weiteres Bier einlud. Gerne und angeschwipst folgte die zierliche Chai, dem älteren Mann zu einem Stand und bestellten zwei große Bier.

´´Prost Chai !!´´

´´Prost Herrmann ´´

beide stießen ihre Gläser an und tranken gemeinsam.

´´Chai, wie lange bleibst du noch in Deutschland ?´´fragte Herrmann wissbegierig sein Gegenüber.

´´Nächste Woche fliege ich nach Hause zurück.´´entgegnete Chai mit einer leichten Traurigkeit.

Noch eine Weile standen Beide an dem Bierstand, bis etwas passierte, dass dem Buchverkäufer in seinem Leben am Meisten suspekt erscheinen würde. Er trank sein Bier aus, fasste Chai an die Hände und zog sie zurück zum Rathausplatz vor die Bühne der Liveband und fing an mit ihr ausgelassen zu tanzen. Die ohnehin schon betrunkene Chai erwiderte den Tanz und dann passierte es: Herrmann nahm seine großen Hände, legte sie um Chai´s schmale Hüften, zog sie näher an sich und küsste sie in den Mund.

Chai erwiderte auch diesen Kuss und plötzlich änderte sich alles in diesem Moment.

Jegliche Bedenken oder Moral schien vom Alkohol zu schmelzen, der Aspekt, dass Herrmann deutlich älter war, schien zu verschwinden und löste sich in der Leidenschaft beider Körper auf….

…es war der Moment des Abschiedes von Chai.

Chai stand mit ihrem großen Koffer am Check-In im Hamburger Flughafen und winkte ihrer Gastfamilie zu. Dann ging sie durch das Terminaltor und stieg in ihren Flugzeug in Richtung ihrer Heimat Thailand zurück.

Mit einem Lächeln im Gesicht verabschiedete sie sich von ihren deutschen Freunden, mit schönen Erinnerungen in ihrem Kopf und das keimen von neuem Leben unter ihrem Herzen kehrte sie nicht allein nach Hause zurück…