Prolog:

Schreie und Flehen einer verzweifelten Mutter erschallen den Raum.

Angst eines verängstigten Vaters bestimmen die Szenerie.

Kein leichter Job für den Tod, der nun mal seine Klienten in die Unterwelt der Seelen führen soll.

Besonders wenn es sich diesmal um ein kleines Baby handelt, die gerade erst das Licht der Welt erblickt hat.

Der Tod ist in diesem Fall ein erfahrener Anwalt mit einer eigenen Kanzlei in einer Großstadt.

Der Anwalt lebt nun einmal von seinen Klienten und der Durchsetzung des Rechts, welches in diesem Fall das Gesetz des Lebens ist.

Alle müssen sich dem Recht unterordnen und das Gesetz respektieren.

Das Leben ist nicht umsonst, es ist kurz und muss wieder abgegeben werden und das von jedem.

Hierzu ist unser Anwalt der Spezialist. Er legt das Gesetz aus und entscheidet über das Ende des Lebens. Alles hat seine Ordnung, auch der Tod.

Wenn das Gesetz durchzogen werden soll, braucht es auch eine entsprechende Justiz, die dabei unterstützt.

In diesem Fall sind es die Engel  der Unterwelt, die auf das göttliche Gericht hören und das universelle Gesetz des Todes vollziehen.

Doch jedes Gesetz hat seine Lücken. Es mag gesetzeskonform sein, aber ethisch verwerflich und urplötzlich nach all der Erfahrung mit dem Geschäft des Todes, nähren sich Zweifel.

Denn auch der Tod hat einen Gewissen, eine Art von Moral und eben auch Gefühle.

Er ist zwar Anwalt des Lebens, aber auch halt nur ein Anwalt, der die Gesetzgebung der Justiz hinterfragt.,

Ein Mensch erblickt das Licht der Welt. Warum sollte es sie wieder verlassen ?

Der Tod hadert, um das Leben des kleinen Babys…

Kapitel 1

Ingrid sitzt am Schaukelstuhl in ihrer kleinen Wohnung.

Sie hat viel erlebt und ist müde des Lebens, müder der irdischen Welt.

Ihre Zeit ist abgelaufen und der Anwalt hat eine Verfügung des göttlichen Richters, sie in die Sphäre der Unterwelt zu schicken.

Der Tod tretet herein und wird von Ingrid herzlich begrüßt.

Sie schenkt ihm Kaffee ein und etwas Gebäck. Sie unterhalten sich etwas. Es ist eine harmonische Szene. Die Dame hatte ein langes und schönes Leben und der Tod sollte nur ein Übergang sein in eine andere Welt. Nicht weniger schön, als diese.

Ingrid bedankt sich beim Anwalt. Dieser küsst sie zart auf die Stirn und ihre Seele entweicht des Körpers. Kann es einen schöneren Tod geben ?

Kapitel 2

Chantal steht auf der Brücke. Sie weint und liebäugelt dem freien Fall ins Wasser.

Der Anwalt eilt herbei und versucht sie zu beschwichtigen. Ihre Zeit sei noch noch nicht abgelaufen und sie dürfe sich nicht des gerichtlichen Verbots ihres Suizids wiedersetzen.

Sie weint aus Liebeskummer und gerät in Gefühlsschwankungen die leider Teenager häufig überfallen. Der Anwalt ruft die Engel-Polizei um sie aufzuhalten, doch sie springt ins Wasser.

Der Anwalt ist enttäuscht, er hatte diesen Fall verloren.

Epilog

Der Anwalt hat vieles gesehen. Freitod und Krankheit. Zufriedenheit und Enttäuschung.

Er ist des Amtes müde. Doch bevor er kündigt, will er eine letzte Amtshandlung begehen.

Er schenkt dem todgeweihten Baby ein langes, glückliches Leben und gibt sein Amt auf.

Er widersetzt sich zwar dem göttlichen Rechts des Lebens, doch er geht zufrieden ins Gefängnis der Unterwelt. Den letzten Fall hatte er gewonnen.