Wunderschön saß sie dort. Ein junges Mädchen mit langen leicht gelockten blonden Haaren, schmalen Gesichtszügen und stahlgrauen Augen. Czeslawa war ein wunderschönes polnisches Mädchen. Das dachte sich auch Wilhelm Brasse, der Mann der sie kurz vor ihrem Tod fotografierte.
Brasse war Pole mit einem österreichischen Vater. Er entschied sich zu Zeiten des zweiten Weltkrieges für ein freies Polen zu kämpfen. Das Angebot der deutschen Nazis, für die Wehrmacht zu kämpfen lehnte er ab. So wurde er gezwungen fortan in Auschwitz die Menschen zu porträtieren, die kurz darauf vergast wurden. Darunter das wunderschöne Mädchen Czeslawa. Sie mochte vielleicht erst dreizehn Jahre alt gewesen sein und begriff warscheinlich noch nicht, was in Kürze folgte. Brasse versuchte ihr die Angst zu nehmen und sprach mit ihr. Sprach über ihren Heimatort und ob sie im Lager noch Familie hätte. Doch sie verneinte. Sie war ganz allein. Allein bis zu ihrem Tod. Die Nazis arbeiteten und mordeten akribisch. Bürokratisch und ordnungsgemäß wurde alles dokumentiert und archiviert. Die so angeblich urdeutschen Tugenden brachte Menschen dazu, Millionen systematisch zu ermorden. Als der der SS-Offizier Czeslawa aus dem KZ-eigenen Fotostudio brachte sagte er noch zu Brasse, wie schade ein so wunderschönes Mädchen zu vergasen, wie schade dass sie eine Polin war. Wilhelm Brasse antwortete nicht. Wie schade, die Schande die sich die Deutschen kundtun waren seine Gedanken. Er verabschiedete sich von Czeslawa und sah sie nie wieder lebend. Jahrzehnte nach der Befreiung Auschwitz sah er ihr Foto erneut in einem Archiv. Selbst auf dem schwarz-weiß Porträt war ihre Schönheit noch immer vollkommen.
