Jugendliche Schönheit. Die Anbetung der Männer. Die Reife ihrer Jugend.
All das kannte die alte Frau. Aber nur aus ihrer Erinnerung. Jetzt war sie alt, alleine und saß tagein tagaus vor ihrer kleinen Hütte und sprach mit den Katzen.
Sie war nun eine betagte Frau, doch die Menschen in ihrem Ort kannten sie nur als die einsame, alte und unverheiratete Jungfer, die lediglich mit den streunenden Tieren sprach.
Alle wussten sie um ihre Einsamkeit und alle sie dachten sie wäre allein ohne Mann, weil sie verrückt sei. Das dachten sie jedenfalls, ohne aber je mit ihr geredet zu haben oder wirklich gekannt zu haben. Die alte Frau passte einfach in dem Denken der Menschen in die Rolle der verrückten alten Jungfer.
Die Frau wusste die Zeit sei vorbei der großen Liebe und dem Bekümmern von Kindern und Enkel.
Im Ort gab es jedoch einen jungen Mann, der kurz gesagt, ziemlich eigenwillig und unkonventionell war. Er kannte nicht die ungeschriebenen Gesetze von Anstand oder gewissen gesellschaftlichen Regeln. Er verstand die Menschen in dem Ort nicht und diese verstanden ihn nicht. Gewissermaßen war dieser junge Mann ein Freigeist in seinem Sagen und Tun.
Es sollte der Tag anbrechen an dem dieser junge Mann zum ersten Mal die betagte Frau begegnet.
Wie immer saß die Frau vor ihrer Hütte bis zufällig der junge Mann an ihrem Haus vorbei ging.
Ihre Blicke kreuzten sich und der Mann blieb stehen und mustert interessiert die Frau.
´´Guten Tag geehrte Frau. Sagen sie doch, sie sitzen hier ganz alleine. Möchten sie vielleicht etwas Gesellschaft haben? ´´
Die Jungfer mustert den jungen Mann und ein Lächeln entwich ihrem Gesicht.
´´Gewiss junger Mann. Komm, setz dich zu mir.´´
Der Mann setzte sich auf einen zweiten Stuhl neben der Frau und beide schwiegen eine Weile und schauten auf die Umgebung, bis die Frau das Schweigen unterbrach.
´´ Ich erfreue mich der Gesellschaft von jungen Menschen. Weißt du, es ist lange her, dass sich ein Mensch für mich interessierte.´´
Der junge Mann drehte sich zu ihr und antwortet: ´´Ich verstehe diese Menschen in diesem Ort einfach nicht. Sie meinen einen Menschen zu kennen, ohne je mit ihm gesprochen zu haben. Ich genieße aber ihre Gesellschaft. Sie geben mir das Gefühl einfach da sein zu können, ohne ihnen etwas schuldig sein zu müssen.´´
´´Weißt du, die Menschen denken nicht bevor sie reden. Und wenn sie reden, denken sie nicht danach. Sie sehen nur das was sie sehen wollen und alles was ihnen suspekt erscheint oder nicht erklären können, stempeln sie ab. Deswegen bevorzuge ich die Gesellschaft meiner Katzen und den Tieren. Sie sehen dich so, wie du bist und reagieren authentisch auf dich und beurteilen dich nur danach, was du auch am Ende tust.´´
´´Ich habe viele Gerüchte um sie gehört und viele Geschichten. Es hieß sie seien eine verrückte alte Frau ? ´´
´´Vielleicht mag dies auch zutreffen, doch es interessiert mich nicht mehr. Ich verbringe meinen Lebensabend, wie ich es für richtig halte und wie ich es will. Die Menschen reden viel, wenn der Tag lang ist.´´
´´Oh, ja das weiß ich auch sehr genau. Auch mich behandeln sie wie einen Verrückten. Obwohl ich auch nur tue, was ich für richtig halte.´´
´´Dann sind wir beide gewissermaßen Seelenverwandte.´´ antwortet die Frau und nahm den jungen Mann an die Hand. ´´Ich erfreue mich endlich der Gesellschaft eines Menschen wie dir. Du gibst mir das Gefühl verstanden zu werden.´´
´´Das freut mich sehr gnädige Frau. Auch ich genieße ihre Gesellschaft. ´´
Eine Weile saßen sie zusammen und blickten in die Sonne, die sich zunehmend im Horizont niedersank. Der junge Mann schließlich verabschiedete sich bald von der alten Frau, wünschte ihr einen schönen Abend und versprach ihr, sie wieder zu besuchen.
Die Frau verabschiedete sich mit einem Lächeln und legte sich in ihrer Hütte zu Bett.
Diese Nacht sollte sie für immer entschlafen und als ihr Lebensgeist zunehmend entwich dachte sie noch an die Gesellschaft des jungen Mannes und freute sich wenigstens an ihrem letzten Tag nicht alleine gewesen zu sein. Dann verstarb sie zufrieden und entwich für immer aus dieser Welt.
