Da geht sie auf der Hauptstraße des Luxus, der neuesten Mode, der teuren Parfumiers.
Sie ist eine junge, elegante und wunderschöne Frau. An Nichts mangelte es ihr, weder an Liebhabern noch des Geldes.
Ihre Eltern waren wohlhabende Geschäftsleute in Düsseldorf und so zog sie mit dem Geld ihrer Eltern an die Königsstraße, der ´´Kö´´ und flanierte dort, stets den neiden Blicken der anderen Mädchen und dem lüsternen Blicken der Herren am Nacken.
Gerne stellte sie ihre Einkäufe auf Instagram zur Schau und liebkoste ihre Schönheit gefüttert mit hunderten Likes und Liebeserklärungen aus aller Welt.
Es war ein Samstagnachmittag wie jeder andere. Sie ging an die Kö mit einem wunderschönen roten Kleid, ihre lange goldene Haare lang und frisiert und dem teuersten Lippenstift auf den Lippen. Welch ein Lebensgefühl zu wissen, dass man auf der richtigen Seite der Königsallee flaniert, nicht des Geldes nöten noch der Schönheit zu missen.
Die Königsallee ist ein besserer Ort für die besseren Menschen mit den besseren Geldbörsen.
Was macht eine starke Frau aus? Die Schönheit? Die Eleganz? Der Status? Dem Begehren der Männer ?
Über all das machte sich die junge Frau keine Gedanken. Sie lebte im hier und jetzt der Extravaganz, fast schon verwöhnt der Langeweile des immer gleichen Treibens: Das Schickmachen für die Kö, das flanieren auf der Kö und letzlich das Verlassen der Kö mit vollen Einkaufstüten.
Ist das das Leben ? Schön sein und schön verweilen?
Wovon träumt eine junge Frau? Ist es nur das Zeigen und gezeigt werden ?
Menschen sind des Nächsten abhängig. Menschen brauchen andere Menschen um sozial zu überleben, um sich selbst auszuleben, um sich selbst zu erkennen.
Noch immer denken zu viele Menschen in Kastensystemen. In einer sozialen Ordnung, in der es eben die oberen und die unteren gibt. Menschen mit mehr Macht und halt welche mit weniger. Menschen mit mehr Schönheit und eben welche mit minderer Ästhetik.
So ist des Menschen Wesen. Denkt man jedenfalls. Doch wenn man nur bisschen mehr nachdenkt, als es sonst der Fall ist, sieht man im Leben auch mehr Dinge, mehr Facetten dieses Lebens auf Erden.
Wie immer ging sie auf der schönen Seite der Königsallee flanieren. Ihre Blicke entweder auf die Schaufenster fixiert und sonst nur auf sich selbst am Spiegelbild eben dieser Schaufenster. Hinter der Scheibe das Versprechen der Schönheit und vor der Scheibe die Inkarnation der Selbstverliebtheit. Das eigene Ich besitzt naturgemäß die größte Aufmerksamkeit, wobei selbst die Sonne um einen Selbst sich dreht, aber nicht die Menschen um einen herum. Fast schon vergessen der alte Mann zwischen den Modeläden am Boden sitzend, vor ihm ein Becher mit den einzigen Schätzen die er besitzt. Ihm wird nicht mal das Recht auf das bloße Dasein gewährt, wenn die Ladenbesitzer verärgert das Ordnungsamt rufen, um diesen Störenfried entfernen zu lassen.
Dieser Mann ist bestimmt kein gutes Motiv für Instagram. Die Realität hat eben keinen Platz in der virtuellen Welt der selbstverliebten Schönheit.
