´´Junge jetzt beweg dich mal. Komm schon, steh auf ! Komm mal in die Gänge.´´

Doch nein.

Matthäus liegt im Bett und vermag es nicht aufzustehen, gar zu funktionieren.

Seit drei Monaten liegt Matthäus im Bett. Seit drei Monaten verließ er die Wohnung seiner Eltern nicht.

Sämtliche Energie und Lebensfreude sind innerlich verbrannt. Doch dieses Verbrennen an Glück lässt ihn emotional eiskalt werden. Er fühlt nichts mehr. Keine Regungen mehr. Mehr das stille Leiden inmitten der Gefangenschaft im eigenem Kopf.

Matthäus ist nicht tot, aber manchmal wünsche er sich diesen, um diesen Qualen des Lebendigsein zu beenden.

Was ist passiert ?

Genau diese Frage ist einerseits einfach und andererseits schwer zu beantworten.

Es waren die besorgten Eltern, die einen Arzt kommen ließen, um es herauszufinden, weil der junge Mann nicht mal mehr in der Lage war, sich aufzuraffen.

Es geschah wie aus dem Nichts: Die Depressionen.

Ein Leben vorher.

Matthäus besuchte das örtliche Gymnasium, stand kurz vor dem Abitur und sein Traum war es selber Arzt zu werden.

Nebenbei jobbte er in einem Mobilen Pflegedienst und hatte viele Freunde.

Alles funktionierte. Alles ging seinen Lauf. Und doch ging der Lauf in eine schwere Depression.

Ein Leben danach mit der Depression.

Es bedurfte über drei Monate, bis Matthäus es schaffte sein Zimmer zu verlassen.

Es bedurfte der ständigen Anwesenheit eines Psychiaters und der verschriebenen Medikamente um aus diesem schweren Loch zu entkommen.

Ja, er lebt wieder, aber es ist ein anderes Leben.

Ein Leben mit Medikamenten und dem Lauern einer tükischen und unvorhergesehen Krankheit.

Immerhin.

Matthäus muss einen weiten Weg gehen, um den Anschluss zu finden.

Immerhin.

Matthäus fühlt, wenn auch gedämpft, seine Emotionen wieder.

Immerhin.

Es ist ein Leben, dass vielleicht in diesem Immerhin für immer bestehen und enden kann.

Aber Immerhin: Matthäus lebt.