Unruhig und zittrig öffnet Wolf den Aschenbecher und sucht nach einer zerdrückten Kippe, die er noch rauchen könnte.
Von Zeit und Zeit schlendert er durch die Gänge einer geschlossen Station, meist in den Raucherraum um dort seine Anspannung zu lösen.
Das Leben in der Psychiatrie kann eintönig, aber auch stressig sein, wenn fremde Menschen mit verschieden Erkrankungen aufeinander treffen.
Da gibt es die Alkoholiker und Abhängige auf Entzug, die Manisch-Depressiven und die Psychotiker.
Auch unter psychisch gesunden Menschen kommt es zu Reibereien, aber in der Geschlossenen erscheint das soziale Umfeld sehr intensiv.
Wolf leidet unter einer schweren Psychose und erinnert sich nicht mehr, wie er überhaupt in die Station kam.
Oft wird er von anderen jüngeren Patienten gedemütigt und mit wenig Respekt behandelt, weil er in ihren Augen ein Patient sei, den man gerne ins Bockshorn jagen könnte um sich selbst zu amüsieren.
Wie ein einsamer Wolf, schlendert Wolf durch die Gänge, oft mit zitternden Händen und abwesenden Augen.
Wieder einmal als der noch junge Mann in den Raucherraum ging und mit braunen Fingern in den Aschenbecher greift um seine Sucht zu befriedigen passierte es auf einmal:
Mit Tränen in den Augen und die Hände seinen Hinterkopf haltend, kniete er nun auf dem Boden und weint bitterlich.
Dieser Mensch war am Ende und diese Szene sollte sich noch oft wiederholen, aber es sollte auch passieren, dass Wolf wieder gesund wird und sich mutig dem Leben stellen kann. Nur Bedarf es etwas der Zeit und Menschen, die ihm zur Seite stehen.
Wolf ist nur ein psychisch Kranker von vielen. Die Sparte der Patienten reicht von Alt bis Jung, von Vermögend zu Arm, von Mensch zu Mensch.
Ihnen gebührt Respekt und gleichzeitig Hilfe. Diese Menschen leiden leise, leise gefangen im Kopf und eingeschlossen um sich selbst zu schützen.
Jeder Mensch mit seelischen Leiden braucht die Unterstützung der Gesellschaft und des Staates. Aber nochmal mehr Bedarf es der Hilfe der Menschen im sozialen Umfeld und den Menschen, die neben ihnen stehen, mit ihnen reden und ihnen in die Augen schauen.
Wolf ist ein stiller Held des Lebens.
Ein Held mit Schwächen und Tränen in den Augen, aber doch ein Mensch der am Ende triumphiert.
