Einsam sitzt Inge auf ihrem Sessel in ihrer kleinen Stube.
Auf den Tod wartend, saß sie nur noch dort.
Ihre greise Hände an den Armlehnen, den Kopf nach Hinten gelehnt und die Augen geschlossen.
Vor ihrem inneren Auge sieht sie ihr Leben dahin schmelzen und sie erinnerte sich.
Erinnerte sich an das Schicksal ihres Lebens und an all die Tiefschläge und das Leid in ihrem langen Leben.
Da sieht sie es wieder. Sieht sich selbst wieder auf dem Felde und einen Schmetterling gen Horizont fliegen…
…es war ihr vierzehnter Geburtstag.
Die junge Inge saß an einem reichlich gedeckten Tisch samt Kuchen und mit ihren vielen Freundinnen sitzen.
Es war ein schöner Geburtstag. Alle erfreuten sich an diesen Anlass und das Lächeln prangte in allen Gesichtern.
Wahrlich bis hier war alles so, wie es sich für ein junges Mädchen gehört.
Die Freude des jungen Lebens, der Kuchen, die Freunde, aber es solle doch passieren , dass genau an diesem freudigen Ereignis der Albtraum beginnt, den Inge ihr Leben lang begleiten wird…
…Schmerzen überkamen einem Mädchen, fast noch ein Kind.
Es solle passieren, dass eine Schande über diese Herrlichkeit des Lebens hereinbrach und unsägliches Leid verbreitet und schließlich ein junges Leben zerstört.
Ein Mann dringt gewaltvoll in des Mädchen Körpers ein und mit jeder Bewegung, schreit das Mädchen nur umso mehr, an des Leides gefesselt….
…Inge ist nun 15 Jahre alt….und Mutter eines Neugeborenes.
Als Hure und Schlampe beschimpft, gebar sie eine Tochter, den Vater wie Täter nicht kennend.
Ab diesem Moment war die junge Inge nun eine Ausgestoßene in den Treiben der kleinen Ortschaft ihrer Heimat…
…Menschen versammeln sich am Friedhof um ein kleines dunkles Grab.
Es war Winter. Der Schnee verbarg das Leid einer jungen Frau, die gewaltsam Opfer und zugleich Mutter wurde. Und genau diese Mutter trug ihr eigenes Kind zur Grabe, nur ein paar Jahre des Lebens auf Erden, nur noch die letzten Reste in einem Sarg verwahrt und beigesetzt…
…Eine Hochzeit steht bevor.
Ein Mann verliebte sich und nahm Inge zur Frau.
Er war ein liebevoller Mensch. Ein Gatte, der seinesgleichen sucht.
Ein Mann der liebt und seine Frau achtet. Es schien als wäre das Leben doch noch gütig zu Inge und sie behutsam im Schoße der Liebe wickelt.
Doch ein anderes Monster zerstörte dieses kurze Glück. Ein hinterlistiger Mörder namens Krieg brach über dem Lande aus und vernichtete unzählige Leben, Familien und ganze Geschichten.
Inges Mann wurde im Kriege eingezogen und qualvoll auf dem Felde gefallen. Irgendwo an einem unbekanntem Ort, irgendwo verwahrt samt vielen weiteren jungen Männern, die ihr Leben dem Krieg opfern mussten…
…all diese Szenen spielen sich wieder vor Inges Auge ab.
Es war ein langes Leben, mit Tiefen und wenngleich auch vielen Tiefen.
Was muss eine Frau für schreckliche Dinge erdulden, über sich geschehen lassen und durchleiden.
Nun sitzt Inge ganz einsam in ihrem Sessel, während das Leben sie langsam verlässt.
Dann schloß sie ihre Augen und entwich zart aus der Welt.
Nur im Tode solle sie ihre letzte Ruhe finden und endlich ihren Frieden erhalten.
